Saturday, 26. July 2008

Polarstern 78°N 13°W

Autor: Robert Johansson

Polarbär

Eisberg

Wir sind jetzt an der Nordostküste Grönlands, und das Wetter ist deutlich besser geworden. Der Nebel und die Wolken sind fast ganz verschwunden, und die Sonne scheint jetzt 24 Stunden lang auf uns herab. Gestern saßen wir auf dem Helideck und genossen die Sonne mit ihren wärmenden Strahlen. In den letzten Tagen haben wir einige Robben nahe am Schiff gesehen. Wenn Robben zu sehen sind, können die Eisbären nicht weit sein. Tatsächlich haben wir letzte Woche sieben Eisbären gesehen. Sie waren sehr erstaunt, dieses große Schiff zu sehen und folgten ihm in gebührendem Abstand. Wenige Tage zuvor passierten wir auf unserem Weg einige große Eisberge. Wir bestimmten ihre Größe mit 30 m Höhe, 300 m Länge und 80 m Breite. Es ist ungewöhnlich, hier in dieser Gegend so viele Eisberge zu finden. Es war ein außergewöhnlich ruhiger Abend ohne jegliche Wellen, die Sonne schien, und es war wunderschön mit dem Schiff an den Eisbergen vorbei zu fahren.

 

Wir haben nun die Nordost-Wasser-Polynja erreicht, eine große Fläche offenen Wassers mitten im Eis. Diese Gegend ist gut für Walrosse, die hier in der Lage sind zu Überwintern. Polynjas sind sehr produktive Gebiete, da hier das Eis früh im Jahr offen ist, und so das Sonnenlicht den offenen Ozean erreichen kann. Dieses Jahr haben wir eine etwas ungewöhnliche Situation. Dort wo wir gewöhnlich offenes Wasser finden, befindet sich ein großes Eisfeld. Die Polynja ist dieses Jahr nicht vollständig von Eis umschlossen. In der Polynja machen wir verschiedene Messungen, damit wir das Ökosystem hier besser verstehen können. Während wir uns im „Hausgarten“ auf die Tiefsee konzentrierten, erforschen wir in der Polynja die oberen Wasserschichten. Traditionell bestimmen Biologen die Nahrungskettenbeziehungen der Tiere eines Ökosystems mit Hilfe von Analysen des Mageninhalts. So können sie bestimmen, was die Tiere gefressen haben und welche Position sie innerhalb der Nahrungskette einnehmen. Doch diese Methode hat ihre Grenzen, und daher versuchen die Forscher, alternative Methoden zu entwickeln. Eine neuere Methode ist, unterschiedliche Stickstoffisotope in Tieren und Pflanzen zu untersuchen. Mit Hilfe unterschiedlicher Isotopenverhältnisse kann die Position in der Nahrungskette zuverlässig bestimmt werden. Die Wissenschaftler hoffen dadurch, ein besseres Verständnis der Beziehung zwischen Tiefsee und oberen Wasserschichten zu bekommen. Wir werden für ein paar Tage in der Polynja bleiben und dann wieder nach Osten fahren.




Fotos: Henri Robert, Robert Johansson


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